Arbeitsweg: Wie können Firmen nachhaltiges Pendeln fördern?

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Version vom 2. September 2021, 20:13 Uhr von David (Diskussion | Beiträge) (Tabellen aufgelöst, da mobil nicht gut lesbar)

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Mobilitätsemissionen entstehen bei Unternehmen nicht nur, wenn Mitarbeiter*innen mit der Dienstwagenflotte unterwegs sind (aber auch hier gibt es nachhaltige Alternativen, siehe Dienstwagenflotte: Welche Alternativen bieten sich in Städten?). Vor allem der Weg zur Arbeit sorgt vielerorts für volle Straßen und dreckige Luft. Schaut man in die einzelnen Autos, sieht man meistens nur eine Person im Wagen. Das ist nicht nur ineffizient, sondern auch platzraubend und stressig. Unternehmen können Einfluss darauf nehmen, wie Arbeitskräfte ihren Weg zur Arbeit gestalten. Das machen sie am besten durch Zuschüsse und Subventionen für nachhaltige Alternativen zum Verbrennungsmotor. In diesem Artikel findet ihr einige Ideen, Argumente und Anbieter.

Mann im Anzug auf einem roten Herrenrad vor einer Stadtkulisse

Firmenräder

Als Firmenrad (auch Dienstfahrrad, Jobrad oder betriebliches Fahrrad) werden Fahrräder bezeichnet, die Arbeitnehmer*innen durch ihren Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden. Das Verfahren ähnelt hierbei dem eines Dienstwagens und wird steuerlich begünstigt. Eine Alternative zu Firmenrädern sind auch Leihfahrräder.

Das Grundprinzip kurz erklärt:

  • Arbeitnehmer*innen suchen sich ein Wunschrad bei einem kooperierenden Händler aus
  • der Arbeitgeber schließt einen Leasing-Vertrag mit dem Anbieter über 36 Monate
  • das Firmenrad wird dem Mitarbeitenden zur Nutzung überlassen
  • durch die steuerlich begünstigte Entgeltumwandlung sparen Arbeitnehmer*innen bis zu 40% der Anschaffungskosten gegenüber einem klassischen Kauf
  • Hier geht's zu einem Erklärvideo.
Vorteile für Arbeitnehmer*innen
  • mehr Bewegung und viel frische Luft
  • kein Stau auf dem Weg zur Arbeit
  • Fahrrad kann auch privat genutzt werden
  • eigenes Wunschrad möglich: auch Mountain-Bikes, E-Bikes oder Lastenräder
  • durch Entgeltumwandlung deutliche Einsparung gegenüber privatem Kauf
  • Fahrrad kann in der Regel nach 36 Monaten für einen geringen Restwert übernommen werden
  • Wartung und Versicherung des Fahrrads ist oft schon im Leasing-Vertrag enthalten
  • aktiver Beitrag zur CO2 Einsparung und damit zum Klimaschutz
Vorteile für den Arbeitgeber
  • attraktiver Benefit für Employer Branding und Mitarbeiterbindung
  • höhere Fitness der Mitarbeiter: aktiver Stressabbau und weniger Krankheitstage
  • weniger Parkflächen auf dem Firmengelände erforderlich
  • geringere Lohnnebenkosten durch reduziertes Bruttogehalt
  • kein zusätzlicher Aufwand für Tankrechnungen/Fahrtenbücher
  • Imagepflege durch aktiven Beitrag zum Klimaschutz
  • Diensträder lassen sich als Werbefläche nutzen

Anbieter

Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter für das Leasing von Firmenrädern.

Wissenswertes

  • Überblick: So funktioniert die Versteuerung von Diensträdern
  • Seit 01.01.2020 gibt es eine zusätzliche steuerliche Begünstigung (sogenannte 0,25 %-Regel) für alle neu überlassenen Diensträder [1]
  • Mitarbeiter*innen, die regelmäßig Rad fahren, haben im Schnitt einen Fehltag weniger als ihre Kollegen. [2]
  • Entwicklungspotenzial: Im Jahr 2016 hat nur etwa jeder Zehnte das Fahrrad für den Arbeitsweg genutzt. [3]
  • Für öffentliche Unternehmen ist die Umsetzung aktuell noch nicht möglich. Baden-Württemberg ist Vorreiter und hat es als erstes Bundesland möglich gemacht. [4]
  • Helm und Schloss könnten mit in die Verträge aufgenommen werden, um sowohl Unternehmen, als auch Arbeitnehmer*innen besser abzusichern.
  • Tipps für Radreisen, Radausflüge und geführte Radtouren gibt's übrigens bei Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V

ÖPNV Zuschüsse

Nicht in jedem Fall gestaltet es sich für Arbeitnehmer*innen so leicht, den Weg zur Arbeit und wieder nach Hause mit dem Fahrrad zurückzulegen. Manche Strecken sind einfach zu weit und spätestens bei starkem Regen oder Hitze im Hochsommer sinkt die Motivation, sich auf den Sattel zu schwingen.

Gerade in Großstädten oder dicht besiedelten und gut vernetzen Regionen lohnt sich als Alternative zur Autofahrt deshalb oft ein Abo-Monatsticket für den ÖPNV. Leider sind diese Tickets je nach Region und Größe des Gebiets, in dem du mit deinem Ticket fahren darfst, nicht immer günstig. Ein Jobticket über deine*n Arbeitgeber*in kann in diesem Fall eine lohnende Lösung sein:

Unternehmen kaufen bei Verkehrsbetrieben eine größere Anzahl an Jobtickets für ihre Mitarbeitenden zu vergünstigten Konditionen und geben diese anschließend kostenlos oder gegen Bezahlung an ihre Mitarbeitenden weiter. Je nach Ticket können die Ticket-Besitzer*innen dann das Ticket so oft und wann immer sie wollen innerhalb des gültigen Gebiets bzw. Tarifs nutzen – auch für private Fahrten.

Dabei profitieren von Jobtickets Mitarbeitende und Arbeitgeber*innen gleichermaßen: Die Kostenübernahme kann sich positiv auf das Image des/der Arbeitgeber*in auswirken, Arbeitnehmer*innen hingegen sparen im Vergleich zum vollständig selbstbezahlten Monatsticket aufs Jahr gesehen oft dreistellige Beträge und haben so einen zusätzlichen Anreiz, vom Auto auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln umzusteigen. Zudem sind Zuschüsse von Arbeitgeber*in für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie allgemein Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr, die zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden, steuerfrei. Weiterhin können auch die mit dem ÖPNV zurückgelegten Kilometer steuerlich abgesetzt werden.

Voraussetzungen für ein Jobticket:

  • Zwischen Arbeitgeber*in und Arbeitnehmer*in besteht ein gültiger Arbeitsvertrag.
  • Die Kosten für das Ticket werden zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn übernommen. Falls nämlich Zuschüsse für ein Ticket bereits im Gehalt enthalten sind, müssen diese versteuert werden.

Unter folgenden Links findest du Hinweise und weiterführende Informationen zum Jobticket in deinem Bundesland oder Regionen in den jeweiligen Bundesländern. Beachte bitte, dass die Liste nicht vollständig ist. Für mehr Informationen erkundige dich am besten direkt bei deinem/deiner Arbeitgeber*in oder bei dem jeweiligen Verkehrsunternehmen deiner Stadt bzw. deiner Region.

In diesem Artikel findest du auch nochmal viele ausführliche Erläuterungen rund ums Jobticket und worauf Arbeitgeber*innen und Mitarbeitende achten sollten.

Für Arbeitgeber*innen gibt es die Seite www.mein-jobticket.de, die Unternehmen bei der Umsetzung ihres betrieblichen Mobilitätsmanagements unterstützt.

Quellen