CO₂-Kompensation: Was sollte ich bei der CO₂-Kompensation beachten?

Aus ErWiN
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Zur Eindämmung des Klimawandels hat die Reduzierung von Treibhausgasemissionen höchste Priorität. Kompensation sollte der letzte Schritt nach vermeiden und reduzieren sein. Da das Vermeiden oder Reduzieren von Emissionen nicht immer möglich ist, beschäftigt sich der Artikel mit den Hintergründen und verschiedenen Möglichkeiten der Kompensation.

Was bedeutet Kompensation?

Jeder Mensch und jedes Unternehmen hinterlässt einen CO2-Fußabdruck. Durch klimabewusstes Handeln, wie beispielsweise das Vermeiden von Flügen, kann dieser gesenkt werden. Unter Kompensation versteht man Zahlungen zur Finanzierung von Treibhausgas mindernden Investitionen.[1]

Mit einer Kompensation entscheidet man sich dazu, die verbleibenden Emissionen, beispielsweise einer Dienstreise, zu berechnen und auszugleichen.[2] Die Option der freiwilligen Kompensation wird meist zum Ausgleich dienstlicher Flüge, des CO2-Fußabdrucks des gesamten Unternehmens oder einzelner Produkte genutzt.[3]

Wie kompensieren?

Das Umweltbundesamt bietet einen Ratgeber zur freiwilligen CO2-Kompensation[4].

Zunächst müssen die Emissionen berechnet werden, um die Höhe der benötigten Kompensation zu ermitteln. Zur Berechnung des CO2-Verbrauchs kann der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes[5] verwendet werden.

Ein Zitat aus dem erwähnten Ratgeber des Umweltbundesamtes:

Jede denkbare Aktivität, bei der Emissionen freigesetzt werden, kommt in Betracht: Flugreisen, Bahn- oder Autofahrten, der Gas-, Strom oder Heizenergieverbrauch zu Hause, die Herstellung von Printprodukten oder auch die Durchführung von Events. Die Kompensation erfolgt dann über Emissionszertifikate, mit denen dieselbe Emissionsmenge in Klimaschutzprojekten ausgeglichen wird. Wichtig ist, dass es ohne den Mechanismus der Kompensation das Klimaschutzprojekt nicht gegeben hätte. Mit dem Zertifikatskauf werden beispielsweise Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien oder zur Aufforstung von Wäldern finanziert. Viele dieser Projekte sind in Schwellen- und Entwicklungsländern angesiedelt. Voraussetzung ist stets, dass das jeweilige Projekt ohne die Zertifikatserlöse nicht hätte durchgeführt werden können.

Es gibt verschiedene Projekttypen, zwischen denen das Unternehmen auswählen kann.

  • Energieprojekte
    • Erneuerbare Energien
    • Energieeffizienz
    • Brennstoffwechsel
  • Projekte zur Reduzierung oder zur Einbindung von CO2
    • Landwirtschaft
    • Wälder und Forstwirtschaft
    • Moore
  • Projekte zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung
    • vermiedene Entwaldung
  • Weitere Emissionsminderungsprojekte
    • Abfall und Deponiegas
    • Industrie
    • Transport

Was man bei der Kompensation beachten sollte

An dieser Stelle würden wir uns über weitere Tipps und eure Erfahrungen mit den verschiedenen Projekttypen freuen.

Wald- und Forstwirtschaftsprojekte

Nicht jeder Anbieter für Kompensationsleistungen trägt auch zum Klimaschutz bei. Beispielsweise speichern Bäume zwar Kohlenstoff und entlasten dadurch die Atmosphäre. Allerdings möchte man am Ende kein Projekt unterstützen, welches Monokulturen pflanzt oder sogar die örtliche Bevölkerung verdrängt. Auch die Gefahr durch Schädlingsbefall oder Feuer sollten die Projekte beachten. Sonst wird aus dem CO2-Speicher eine -Quelle. Bei der Wahl des richtigen Anbieters gibt es daher einiges zu beachten. Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) bietet Leitlinien für Unternehmen und private Investoren[6]. In diesen werden Zertifizierungsstellen für Waldklimaprojekte vorgestellt, mit denen man die Qualität von Kompensationsdienstleistungen bewerten kann. Diese Kriterien setzen sich zusammen aus:

  • Der Treibhausgasberechnung: Wie werden die CO2-Kompensationswerte berechnet? Sind sie realistisch und langfristig?
  • Sozio-ökonomischen Kriterien: Welche Effekte hat das Projekt auf die vor Ort lebende Bevölkerung? Wird diese eingebunden?
  • Ökologischen und waldbaulichen Kriterien: Wird die Bio-Diversität ausreichend gefördert?

Überblick über mögliche Anbieter

Aus unseren Recherchen sind einige Unternehmen hervorgegangen, die wir hier teilen wollen. Die Typen der Klimaschutzprojekte sind häufig vielfältig, die Liste hat aber natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Anbieter Geförderte Projekte Kalkulation Beispiel* Sonstiges
Climate Fair Regionale Projekte, z.B.: Ökostrom-/Energiesparprojekte. Geld kann in lokale Nachhaltigkeitsfonds eingezahlt werden. Möglich für Flugzeug, Auto, Bus und Bahn. Nicht nur reine Vermeidungskosten, sondern gesamte Umwelt-Folgekosten („Wahre Kosten“) werden betrachtet (daher teurer).
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 31 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 18,54 €
gemeinnützig
Atmosfair Globale Projekte: Energieeffizienz, Ausbau von Windkraft/ Wasserkraft/ Biogas/ Solar, Umweltbildung; keine Waldschutzprojekte aufgrund kritischer Sicht auf die "Nebenwirkungen" solcher Projekte (siehe auch oben).[7] Es kann ein individuelles Projekt für ein Unternehmen erstellt werden. Möglich für verschiedene Unternehmenstypen und den Gesamtfußabdruck (auch im Abo), aber auch für Flugzeug, Veranstaltung oder Wunschmenge. Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 10 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 4 €
gemeinnützig, mehrfacher Testsieger (bspw. Stiftung Warentest 2018)
MyClimate Globale Projekte: Breit gestreute Klimaschutz- & Bildungsprojekte, auch Waldschutz. Möglich für den Gesamtfußabdruck einer Firma, aber auch für Flugzeug, Auto, Kreuzfahrt, Veranstaltung, Haushalt oder für ein bestimmtes Projekt. Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 7 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 4 €
gemeinnützig, Stiftung Warentest Urteil "gut" 2018
Primaklima Globale Projekte: Nur Aufforstung. Möglich für den Gesamtfußabdruck eines Unternehmens oder Privatperson, aber auch für Flugzeugreisen. Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 10,20 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 2,55 €
gemeinnützig, Stiftung Warentest Urteil "sehr gut" 2018
Klimakollekte Globale Projekte: Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen oder ihrer Partner in Entwicklungsländern. Möglich für den Gesamtfußabdruck einer Firma, aber auch für Flugzeug, Auto, Bus, Bahn, Veranstaltung oder Haushalt. Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 4,83 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 2 €

(komplizierter CO2-Rechner)

gemeinnützig, kirchlich
Arktik Globale Projekte: Fairtrade, Moorschutz, Aufforstung, Energieeffizienz, alternative Energiequellen. Möglich für den Gesamtfußabdruck eines Unternehmens oder Privatperson, aber auch für Flugzeugreisen und andere Unternehmensteile (bspw. den Fuhrpark). Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 5,49 €
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = 3 € (Mindermengenaufschlag bei unter 500kg CO2)
gewerblich
ClimatePartner Globale Projekte: Umfassende "ClimateMap", die die Klimaschutzprojekte nach Technologie, erfüllten Standards/Zertifizierungen oder Nachhaltigkeitsziel durchsuchbar macht. Unternehmenslösungen im Fokus (von CO2-Bilanzierung bis zur Ausgleichszahlung), Berechnung für Gesamtunternehmen oder einzelne Produkte. Reine CO2-Kompensationskosten.
  • Flug (Leipzig-Kopenhagen, 1 Person, Economy, Hin & Zurück) = 3,29-3,83 € (je nach unterstütztem Projekt)
  • Auto (500 km, Mittelklasse, Benzin) = ohne Ergebnis (erst ab 1000 km wird Kompensation möglich)
gewerblich

*Basierend auf Berechnungen im Oktober 2020.

Fazit

CO2-Kompensation ist nicht gleich CO2-Kompensation. Man sollte kritisch hinterfragen, warum der eine Dienstleister weniger, der andere mehr als 4€ für einen Flug von Leipzig nach Kopenhagen veranschlagt – was ist tatsächlich realistisch? Welche Projekte sind außerdem wirklich unterstützenswürdig, weil klimawirksam? Wo wird Greenwashing betrieben? Zertifizierungen sowie ausführliche Recherchen können hier Aufschluss geben, damit man sich sicher sein kann, dass die Kompensationszahlungen nicht nur das Gewissen erleichtern, sondern auch tatsächlich Wirkung entfalten.

Zu Beachten ist folgendes: Selbst wenn alle Industrieländer ihre CO2-Emissionen vollständig in Entwicklungsländern in perfekten Projekten kompensieren würden und damit alle Menschen in den Industrieländern dem Marketing nach „klimaneutral" leben würden, kann damit das globale 2 °C Klimaschutzziel nicht erreicht werden.[8] Genau aus diesem Grund sollte man sich, bevor man kompensiert, natürlich immer noch mal die Frage stellen: Sollten wir nicht lieber in die langfristige Reduktion anstelle der Kompensation investieren? Wenn man jährliche Kompensationskosten aufsummiert und zu denselben oder höheren Kosten kommt als eine Reduktionsinvestition bedeuten würde, sollte die langfristige Lösung dem kurzfristig gedachten Kompensieren vorgezogen werden. Sind Emissionen aber unvermeidbar, hilft eine sinnvoll eingesetzte Kompensationszahlung jedoch dabei, den Schaden zu minimieren.

Quellen