Nachhaltige Ernährung: Was bringt saisonale und regionale Ernährung für das Klima?

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Version vom 1. August 2021, 20:00 Uhr von Peter Hasenbein (Diskussion | Beiträge)

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Vegetarisch, vegan, Low Carb, laktose- und glutenfrei: Unter den vielen verschiedenen Ernährungsformen hat sich in den letzten Jahren auch die nachhaltige Ernährung im Allgemeinen herausgebildet.

Ganz grob gesagt geht es bei nachhaltiger Ernährung vor allem darum, bewusst zu konsumieren. Aber was genau bedeutet eigentlich „bewusster Konsum“? Wir leben in einer Welt voller Wohlstand und materiellem Überfluss. Güter wie Nahrungsmittel und Kleidungsstücke stehen heutzutage in Rekordgeschwindigkeit und schier unbegrenzten Mengen für Verbraucher*innen zur Verfügung – und das, obwohl sie oft tausende Kilometer zurücklegen, bevor sie im Geschäft und schließlich auf unserem Teller oder im Kleiderschrank landen.

Diese ständige Verfügbarkeit ist für Menschen in technologisch und wirtschaftlich hoch entwickelten Industrieländern wie Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels, begünstigt durch unbewussten Konsum, braucht es deshalb ein Umdenken in den Köpfen dieser Menschen.

Dazu gehört auch zu hinterfragen, woher genau das Essen, das jeden Tag auf meinem Teller landet, eigentlich stammt und unter welchen Bedingungen es gezüchtet, produziert und transportiert wurde.

Auswirkungen der Lebensmittelindustrie auf das Klima

Um die Auswirkungen von Ernährung und dem Konsum bestimmter Lebensmittel auf das Klima deutlich zu machen, folgen einige Fakten:

Für die Produktion von einem Kilo Kakao werden rund 27.000 Liter Wasser benötigt, für ein Kilo Rindfleisch knapp 15.500 Liter und für ein Kilogramm Gurken immerhin 350 Liter.[1] In Spanien beispielsweise wird für den Anbau von Obst und Gemüse viel mehr Wasser verbraucht, da die Ackerflächen aufgrund der höheren Temperaturen trocken sind und viel Feuchtigkeit benötigen. Damit einher gehen oft auch illegale Anzapfungen an das Grundwasser für die Bewässerung von Gewächshäusern und Plantagen, was zu Dürre und Austrocknung der Flächen führt.

Rund 70% des weltweiten Sojaanbaus werden für Futtermittel für Kühe und Schweine verwendet, wofür jedes Jahr hektarweise Regenwald abgeholzt wird.[2] Da diese Flächen Regenwald normalerweise Kohlenstoff binden, wird dieser bei der Vernichtung zu CO2 umgewandelt und in die Luft freigesetzt.[3]

Lebensmittel, die nicht aus unserer Region kommen und das ganze Jahr über angebaut werden, steigern also nicht nur den Ausstoß von CO2, sondern benötigen auch Unmengen an Ressourcen wie Ackerflächen, Wasser, Energie und Treibstoff für den Transport.

Warum saisonale und regionale Lebensmittel klimafreundlicher sind

1. Lebensmittel aus der eigenen Region legen einen deutlich kürzeren Weg zurück, bis sie im Geschäft an Kund*innen verkauft werden. Somit werden nicht nur Ressourcen wie Treibstoffe für Transportmittel wie LKW, Flugzeuge und Container-Schiffe gespart, sondern auch Wasser, das dafür an anderer Stelle Dürren in südlichen Regionen wie Spanien verhindern kann. Für ein Kilo Gemüse aus Übersee könnten klimatechnisch gesehen 11 Kilo innerhalb Deutschlands transportiert werden. Im Vergleich zum Transport mittels Flugzeug sind es sogar 90 Kilo.[4]

2. Wenn Produkte wie Obst und Gemüse nur zu ihrer eigentlichen Saison angepflanzt und geerntet werden, können das restliche Jahr über Energie und Ressourcen gespart oder für jeweils andere Nahrungsmittel genutzt werden. Um zum Beispiel Tomaten-Pflanzen, die nur in warmen Temperaturen gut gedeihen – zu jeder Jahreszeit in Deutschland anzupflanzen, braucht es einen erhöhten Einsatz an Energie für den Betrieb von Gewächshäusern mit der richtigen Temperatur, Beleuchtung und Bewässerung. Neben regionalem Konsum sollte man deshalb auch darauf achten, Produkte aus der jeweiligen Saison zu kaufen. Einen Überblick darüber, welches Obst und Gemüse in welchen Monaten in Deutschland angebaut werden kann, findest du auch in einem Saisonkalender.

3. Zu einer bewussten Ernährung gehört auch der bewusste Verzicht auf tierische Nahrungsmittel. Zu ihrer Herstellung werden nämlich mehr Anbaufläche, Maschinen, Düngemittel und Pestizide gebraucht als für die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel. Zudem gelangt durch die Massentierhaltung das klimabelastende Methan von Rindern in die Luft, das noch schädlicher ist als CO2.[5] Beim Bio-Bauernhof oder lokalen Händler*innen auf dem Wochenmarkt zu kaufen, stärkt außerdem die Landwirtschaft der eigenen Region.

4. Saisonale Lebensmittel haben in der Regel einen höheren Vitamingehalt und sind somit gesünder als solche, die „künstlich“ über das ganze Jahr angeboten werden. Wenn man sich beim Einkauf nach dem Saisonkalender richtet, isst man zudem abwechslungsreicher, weil nicht das ganze Jahr über dieselben Produkte konsumiert werden.[6]

5. Im Endeffekt sollte man sich als Konsument*in darüber im Klaren sein, dass das eigene Kaufverhalten und die Nachfrage auch das Angebot beeinflussen können. Wird insgesamt weniger importierte Ware gekauft, werden auch weniger Waren aus dem Ausland angeboten. Und würden nur Lebensmittel nach Deutschland importiert, die hier aufgrund der Klimabedingungen nicht angebaut werden können – zum Beispiel Kaffee oder Bananen –, ließen sich dadurch über 22% der Emissionen einsparen.[7]

Regionale und saisonale Ernährung im Unternehmen

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Wenn man einmal von der Corona-Pandemie und Home-Office absieht, verbringen Mitarbeitende rund acht Stunden am Tag im Unternehmen, innerhalb derer sie oft frühstücken, mittags eine warme Mahlzeit essen und zwischendurch auch Snacks. Der Arbeitsplatz bietet also ein enormes Potenzial, um nicht nur im Privaten bewusst regional und saisonal zu essen und damit das Klima zu schonen. Dabei kannst du selbst schon viel bewirken, wenn du dir dein eigenes Essen von Zuhause mitbringst, das du auf dem Wochenmarkt, im Bio-Laden oder im Supermarkt gekauft oder vielleicht sogar aus deinem eigenen Garten geerntet hast. Und wenn es doch mal etwas vom Lieferservice sein soll, gibt es mittlerweile eine große Auswahl an vegetarischen oder veganen Gerichten in plastikfreier Verpackung.

In den meisten Fällen kannst du also mit ein wenig Recherche schnell herausfinden, welche klimafreundlichen Lebensmittel du kaufen und konsumieren kannst. Allerdings ist das bei manchen Produkten gar nicht so einfach: Gerade im April und Mai ist zum Beispiel die Tomate aus Südspanien die bessere Wahl, denn in Deutschland werden Tomaten in den kälteren Monaten des Jahres aufgrund der verhältnismäßig niedrigen Temperaturen in Gewächshäusern gepflanzt, die viel Energie zum Heizen benötigen. Allerdings brauchen Tomaten in Spanien wiederum mehr Wasser, wenn das Klima heißer ist. Hier gilt also: In den kalten Monaten erzielt die spanische Tomate eine bessere Klimabilanz, in den Sommermonaten die heimische aus Deutschland. Man sollte also beim Kauf abwägen und sich darüber im Klaren sein, dass es nicht immer die eine richtige Entscheidung fürs Klima gibt.[8]

Fazit

Manchmal ist es gar nicht so einfach, auf eine regionale und saisonale Ernährung zu achten. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, sich über dieses Thema zu informieren. Der Saisonkalender hilft dir dabei, einen Überblick über aktuell in Deutschland verfügbares Obst und Gemüse zu bekommen und dein Einkaufsverhalten und deine Ernährung – auch auf der Arbeit – dahingehend anzupassen. Und wenn du dir nicht sicher bist, ob ein bestimmtes Produkt wirklich klimafreundlich ist, frage dich selbst, ob du dieses Produkt wirklich brauchst oder nicht vielleicht doch lieber darauf verzichtest.

Quellen