Wie kann ich die Entscheider*innen im Unternehmen von Nachhaltigkeit überzeugen?

Aus ErWiN
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Egal, wie sehr man selbst vom Ziel eines nachhaltigen Unternehmens überzeugt ist – wenn die Geschäftsführung dieses Vorhaben nicht unterstützt, wird sich der Betrieb nie wahrlich nachhaltig nennen können. Daher ist es essenziell, gleich zu Beginn die Überzeugungsarbeit bei Entscheider*innen zu leisten. Mit etwas Glück rennt man hier bereits offene Türen ein. In vielen Fällen dürfte dies jedoch nicht der Fall sein. Daher geben wir euch an dieser Stelle einen Überblick über die Argumente für Nachhaltigkeit, die auch wirtschaftlich Sinn ergeben.

Materielle Vorteile

Wenn man "wirtschaftlich" im rein gewinnorientierten Zusammenhang interpretieren möchte, sind natürlich materielle Argumente am überzeugendsten. Daher starten wir also mit der herkömmlichen Herangehensweise. Heutzutage laufen viele Produktionen (und auch Dienstleistungsprozesse) auf Kosten der Allgemeinheit. Es werden externe Kosten während des Produktionsprozesses erzeugt – extern im Sinne von Ausbeutung der Umwelt, Umweltverschmutzung, sozialer Benachteiligung etc., die langfristig für die Allgemeinheit teuer werden, jedoch nicht vom verursachenden Unternehmen selbst getragen werden. Internalisiert man solche Kosten, indem man zur Vermeidung solcher externer Kosten bspw. hohe Umwelt- und Arbeitsschutzstandards implementiert, übernimmt man ganzheitliche Verantwortung für die eigene Produktion. Das verursacht natürlich ebenso interne Kosten – eben jene Kosten, die sonst auf die Allgemeinheit übertragen würden. Das ist im ersten Schritt für Unternehmen natürlich sehr unattraktiv. Es sollen schließlich Kosten minimiert werden, während Umsätze maximiert werden, um den bestmöglichen Gewinn zu erwirtschaften. Welche materiellen Vorteile kann dann eine nachhaltige Wirtschaftsweise überhaupt bringen?

  • Nachhaltige Produkte dürfen teurer sein. Wenn man höhere Produktionskosten hat, darf man diese auch an die Kund*innen weitergeben. Man hat schließlich gute Gründe dafür, teurer zu sein, als die nicht-nachhaltige Konkurrenz. Natürlich muss man dies gut kommunizieren und man darf nicht rein auf preissensible Kund*innen angewiesen sein. Daher sollte dies auch nicht das einzige materielle Argument sein.
  • Man erschließt neue Kundensegmente. Durch die sukzessive Neuausrichtung gewinnt man neue Verkaufsargumente, die einen an neue Kundensegmente heran und dadurch auf einen größeren Markt führen.
  • Innovationspotenziale werden freigesetzt. Muss man seine Prozesse nachhaltiger machen, entstehen Impulse für Innovationen. Unternehmen müssen sich auf einem ständig wandelnden Markt behaupten. Dadurch, dass man sich selbst durch die Nachhaltigkeitsinitiative hinterfragt, entsteht Raum für neue Ideen und damit Potenzial für die Weiterentwicklung des Unternehmens und des Produktportfolios.
  • Die Betriebskosten sinken. Und wer sagt, dass nachhaltige Alternativen immer auch zu teureren Prozessen führen? Nachhaltigkeit ist Ressourcenschonung und Ressourcenschonung bedeutet in vielen Fällen auch geringere Kosten zu haben. Zwar ist die Anschaffung nachhaltiger Alternativen eventuell zu Beginn teurer, doch rechnen sich diese häufig durch eine längere Haltbarkeit oder ihre Effizienz. Dies gilt bspw. für Büromobiliar, für LED-Leuchtmittel, für Elektronik oder sogar Ökostrom aus der eigenen Solaranlage auf dem Dach. Wenn du deine Argumentation mit einem konkreten, starken Beispiel für Kosteneinsparungen dank nachhaltiger Alternativen innerhalb eures Unternehmens eröffnest, gewinnst du das Gehör deiner Vorgesetzten.

Immaterielle Vorteile

Abseits der monetären, wirtschaftlichen Argumente bietet Nachhaltigkeit natürlich viel Potenzial für die immaterielle Fortentwicklung des Unternehmens.

  • Nachhaltigkeit führt zu einem Imagegewinn am Arbeitsmarkt. Qualifizierte Arbeitskräfte werden am Arbeitsmarkt immer seltener. Viele Unternehmen haben Probleme, Personal zu finden. Ein Akquiseargument für neue Arbeitskräfte, das einen gegenüber dem Wettbewerb differenziert, ist dabei eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Vor allem jüngere Generationen achten auf eine Wertekongruenz zwischen den eigenen Überzeugungen und denen der potenziellen Arbeitgeber*innen. Gesellschaftliche Verantwortung im Sinne der Nachhaltigkeit zu übernehmen signalisiert Arbeitskräften außerdem, dass diese Verantwortung auch gegenüber Mitarbeitenden übernommen wird und man ein positives Arbeitsumfeld erwarten kann.
  • Die Arbeit bestehender Mitarbeitender wird sinnstiftender. Heutzutage hinterfragen viele Arbeitnehmende den Sinn ihrer Arbeit. Viele sind nicht mehr bereit, sich dem Stress des Arbeitsalltags auszusetzen, ihre Lebenszeit für die Bereicherung von Unternehmen herzugeben, eventuell bei der Arbeit auch eigenen Prinzipien zuwiderzuhandeln. Vor allem jüngere Generationen hinterfragen ihre Arbeitgeber*innen immer stärker. Signalisiert man durch ernsthafte Nachhaltigkeitsinitiativen der Belegschaft, dass das Unternehmen Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen übernehmen will, kann dies zu ebenjener fehlenden Sinnstiftung führen und immateriell motivieren. Nicht unbedingt jede:r Mitarbeiter:in wird so zufriedener, doch mit Sicherheit wird kaum jemand durch (durchdacht implementierte) Nachhaltigkeitsmaßnahmen unzufriedener.
  • Ein nachhaltiges Unternehmen weckt Vertrauen. Das gilt für Kund*innen, Geschäftspartner*innen, Mitarbeitende und die Gesellschaft als Ganzes. Wenn ein Unternehmen zeigt, dass es gesellschaftlich Verantwortung übernimmt, reagieren die meisten darauf positiv. Beweist man sich als verantwortungsbewusst, wird einem in der Regel Vertrauen geschenkt.
  • Nachhaltige Unternehmen unterstützen sich gegenseitig. Bei Nachhaltigkeit geht es unserer Meinung nach um das Miteinander. Gesunde Konkurrenz ist zwar sinnvoll, doch wollen wir bei den Employees for Future auch zeigen, dass man durch Kooperation weiter kommt als mit rücksichtslosem Gegeneinander. Durch ein Netzwerk nachhaltiger Unternehmen wird vielleicht sogar Innovationskraft durch Kooperation freigesetzt. "Friss oder stirb" soll es hier nicht geben. Langfristige Partnerschaften, Erfahrungsaustausch und Unterstützung sollen nicht nur im Privaten existieren, sondern Unternehmen auch dazu befähigen, auf Dauer erfolgreich zu sein.

Ein Blick in die Glaskugel

Der Klimawandel und seine Folgen sind real. Die Auswirkungen der menschlichen Lebensweise für den Planeten und Gesellschaften sind nicht mehr kleinzureden. Veränderungen müssen und werden demnach auch kommen. Es ist nur die Frage, wie schnell das auch alle Entscheider*innen verstehen. Je früher man sich anpasst, je früher man die Zeichen erkennt und die Weichen stellt, desto resilienter ist man aufgestellt und desto besser für die Zukunft gewappnet. Versuche es daher vielleicht auch mit einem Appell an deine Vorgesetzten: Wollt ihr Vorreiter sein, aktiv werden, mitgestalten? Oder wollt ihr euch erst Gesetzen und Richtlinien fügen, sobald sie gemacht werden, nur reagieren und dadurch den Anschluss verpassen? Agile Unternehmen sollten diesen Zeitgeist ohnehin erkennen.

Fazit

An Nachhaltigkeit wird unserer Überzeugung nach zukünftig kaum mehr ein Weg vorbeiführen. Die Wirtschaft muss sich anpassen, da Rohstoffe knapp werden und der Planet uns unsere Misswirtschaft durch Naturkatastrophen vorwirft. Wer sich daher nun auf den Weg macht, kann sich etwas sicherer sein, auch in Zukunft fortbestehen zu können. Und das ist im Prinzip doch das Ziel der meisten Unternehmen: Langfristig und dauerhaft wirtschaften zu können.