Kommunikation: Wie kann ich meinen Marketing-Mix nachhaltig gestalten?

Aus ErWiN
Menschen-am-Tisch-Analyse-Marketing.jpg

Jedes Unternehmen betreibt heutzutage Marketing – es richtet sich selbst also möglichst konsequent an den Bedürfnissen des Marktes aus, vor allem an seinen Zielgruppen und auch seinen Wettbewerbern.[1] Neben diesen wichtigen, allgemeingültigen Faktoren hat sich in den letzten Jahren aber auch ein Trend zum grünen Marketing entwickelt. Im Folgenden findest du nicht nur eine Erklärung dieses Begriffs, sondern auch praktische Hinweise und Tipps, wie du den Marketing-Mix deines Unternehmens nachhaltiger gestalten kannst.

Grünes Marketing - was ist das?

Grünes Marketing bezeichnet im Gegensatz zum klassischen Marketing nicht nur die konsequente Ausrichtung des Unternehmens am Markt, sondern auch die Tatsache, dass vor allem auch ökologische und ethische Entscheidungskriterien im Rahmen der Unternehmensführung berücksichtigt werden. Diese Form des Marketings äußert sich meist in der Vermeidung und Verringerung von Umweltbelastungen.[2] Synonym werden auch häufig Begriffe wie Ökomarketing, Umweltschutzmarketing oder ökologieorientiertes Marketing verwendet.

Vorteile von grünem Marketing

Auch wenn grünes Marketing in der Regel mit einem erhöhten Aufwand für das Unternehmen verbunden ist, bringt es dennoch einige Vorteile mit sich, die bei der Entscheidung für oder gegen einen nachhaltigeren Marketing-Mix nicht außer Acht zu lassen sind:

Als wichtigster Punkt sind die positiven Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu nennen, die ein nachhaltiger Marketing-Mix mit sich bringt. Seien es umweltfreundlichere Verpackungen, Inhaltsstoffe oder Produktionsbedingungen. Auch für Konsument*innen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung und nicht selten werden Kaufentscheidungen unter der Berücksichtigung von z. B. Umweltschutz und/oder fairen Arbeitsbedingungen getroffen. Gleichzeitig kann das bewusste Kommunizieren von Nachhaltigkeitsaspekten Menschen für das Thema sensibilisieren, die bisher keine Berührungspunkte damit hatten, wodurch Unternehmen auch einem Aufklärungsauftrag nachkommen und gesellschaftlichen Mehrwert leisten. Eine bewusste Positionierung als nachhaltiger Arbeitgeber kann wiederum genutzt werden, um bei potenziellen Bewerber*innen besonderes Interesse zu wecken, die ebenfalls einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen möchten und sich mit dem Unternehmen identifizieren können.

Konkrete Handlungsempfehlungen für den Marketing-Mix

Nachhaltiges Marketing klingt in der Theorie natürlich immer toll, allerdings sollten Worten auch Taten folgen, wobei sich die konkrete Realisierung nicht in jedem Fall einfach umsetzen lässt.

Um dir und deinem Unternehmen den Einstieg in ein nachhaltiges Marketing zu erleichtern, haben wir dir für die jeweiligen Bereiche des Marketing-Mix einige konkrete Handlungsempfehlungen und hilfreiche Hinweise zusammengestellt. Gemeinsam mit deinem Nachhaltigkeitsteam, der Geschäftsführung und den jeweiligen Abteilungen kannst du das Thema Nachhaltigkeit Schritt für Schritt in Prozesse, Projekte und Leistungen integrieren und ihm langfristig die notwendige Bedeutung für das Wirtschaften deines Unternehmens zuschreiben. Dabei sollte dir immer bewusst sein: Nachhaltige Veränderungen passieren nicht über Nacht und erfordern viel Zeit, Engagement, Teamarbeit und letztlich auch Ressourcen – vor allem zeitlich, personell und finanziell. Falls du also deinen Marketing-Mix nachhaltig gestalten möchtest, stelle dir vorher einen konkreten Plan auf und verteile Verantwortlichkeiten und Aufgaben und kalkuliere ein Budget ein. Dabei kann es dir helfen, ein eigenes, internes Nachhaltigkeitsteam aufzustellen. Im ErWiN findest du konkrete Anregungen, wie du bei der Aufstellung eines Teams am besten vorgehst.

Nachhaltige Produktpolitik

„Die Produktpolitik umfasst alle Aktivitäten eines Unternehmens, die auf die Gestaltung einzelner Produkte oder des gesamten Absatzprogramms gerichtet sind.“[3] Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem physische Produkte in Form von Ge- und Verbrauchsgütern, die entweder direkt vom Hersteller oder über Absatzmittler, also Händler, zu den Endkund*innen gelangen.

Dieser Teil des Marketing-Mix beschäftigt sich mit den angebotenen Leistungen des Unternehmens und wird im Folgenden in die Unterpunkte Programmgestaltung, Produktgestaltung und Servicepolitik gegliedert.

Allgemein kann man in Bezug auf eine nachhaltige Gestaltung der Produktpolitik festhalten, dass angebotene Produkte oder Dienstleistungen, die nachhaltig gestaltet werden, zum Schutz unserer Umwelt beitragen und optimalerweise sogar gleichzeitig bestehende Umweltprobleme bekämpfen.[4]

Programmgestaltung

Die Programmgestaltung beschäftigt sich mit allen „Entscheidungen, die die Zusammensetzung, Überprüfung und Veränderung des gesamten Leistungsprogramms einer Unternehmung betreffen.“[5]

Im engeren Sinne sind damit die vom Unternehmen angebotenen Produktbereiche bzw. -arten und die Anzahl der dazugehörigen Artikel gemeint. Diese übergeordnete Programmstruktur hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg deines Unternehmens und bedarf einer ständigen Überprüfung und Anpassung an Veränderungen der Markt- und Wettbewerbssituation.

Dieser Bereich der Produktpolitik birgt insofern Potenzial zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten, als dass im ersten Schritt das bisherige oder geplante Leistungsprogramm hinsichtlich nachhaltiger Aspekte hinterfragt werden sollte. Berücksichtigt werden sollten hier grundlegend zunächst, welche Art von Produkten und in welcher Vielfalt diese angeboten werden. An dieser Stelle könnte man als Unternehmen zum Beispiel darüber nachdenken, eine eigene Nachhaltigkeitslinie auf den Markt zu bringen oder (überflüssige), umweltschädliche Produkte oder Produktgruppen, deren Umsatz kompensierbar ist, zu eliminieren bzw. zunächst im Volumen zu reduzieren.

Beispiel: Ein Unternehmen, das bisher Shampoo, Duschgels und Seife in flüssiger Form produziert und vertreibt, könnte eine neue Produktlinie mit Artikeln in fester Form auf den Markt bringen. Es ist nicht nur ergiebiger, sondern spart auch durch die feste Form Platz ein und kann in Papier bzw. Pappe verpackt werden – im Gegensatz zu flüssigen Produkten, die in Plastikverpackungen verkauft werden. Auch eine eigene Bio-, vegane oder vegetarische Linie als Ableger von bisherigen Produkten kann neue Zielgruppen eröffnen und bisherigen Kund*innen die Entscheidung für nachhaltige Produkte erleichtern.

Produktgestaltung

Im nächsten Schritt geht es um die konkrete Gestaltung der Produkte. Diese schlägt sich in Faktoren wie dem Produkt an sich (z. B. seinen Inhaltsstoffen), seiner Verpackung, seinem Produktnutzen und dem Produktlebenszyklus im allgemeinen nieder.

Das Produkt selbst

Wenn dein Unternehmen Produkte in Form von physischen Gütern vertreibt, kommt dem Aspekt Nachhaltigkeit eine bedeutende Schlüsselrolle zu. Je nach Produkt solltest du dir einen Überblick über alle enthaltenen Inhaltsstoffe, Rohstoffe und sonstige Materialien, die dafür zum Einsatz kommen, verschaffen. Informiere dich, welche dieser Ressourcen negative Auswirkungen auf die Umwelt haben, zum Beispiel, weil ihre Herstellung oder Gewinnung hohe Mengen an CO2-Emissionen verursacht oder vielleicht auch, weil die Inhaltsstoffe aus endlichen und nur stark begrenzten Rohstoffen bestehen, die dem Planeten nicht entnommen werden sollten. Vielleicht kann das Produkt auch nach der Entsorgung nicht biologisch abgebaut werden und so ein Risiko für die Umwelt darstellen, da es nicht in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Um den Überblick über alle Produkte und Materialien zu behalten, kannst du beispielsweise eine Liste oder Tabelle mit allen Produkten und deren bedenklichen Inhaltsstoffen anfertigen. Im nächsten Schritt kannst du dann gezielt nach Alternativen zu diesen Materialien suchen, die besonders umweltfreundlich sind. Diese Umstellung ist natürlich mit viel Aufwand, vor allem organisatorischem und finanziellem, verbunden. Setze dir daher realistisch umsetzbare Ziele, um deine Produkte Schritt für Schritt umweltfreundlicher zu gestalten.

Beispiel: Viele Unternehmen verfolgen die Idee, mit ihren Produkten nicht nur weniger Rohstoffe und CO2 zu verbrauchen, sondern noch aktiver zu werden: Deshalb bestehen mittlerweile viele Produkte aus altem Plastik, das aus den Meeren gefischt wird – zum Beispiel Rucksäcke. Auch Bademode aus altem Polyester, Fischernetzen aus dem Meer und PET-Flaschen tragen dazu bei, als Unternehmen dem Begriff Nachhaltigkeit gerecht zu werden. In kleinen Schritten gedacht kann natürlich zunächst auf recyceltes Material wie Plastik oder Pappe umgestellt werden.

Die Produktverpackung

Eine nachhaltige Produktverpackung birgt nicht nur viele Vorteile für die Umwelt und unser Klima, sondern nimmt auch eine zunehmende Rolle für Kaufentscheidungen von Konsument*innen ein: Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 gaben 77 % der Befragten an, dass die Umweltfreundlichkeit einer Produktverpackung Einfluss auf ihre Kaufentscheidung hat.[6] Weiterhin würden 87 % der Befragten dasselbe Produkt eher in einer Kartonverpackung als in Plastikverpackung kaufen und 77 % würden mehr Geld für das Produkt zahlen, wenn seine Verpackung die Umwelt weniger belastet.

Allgemein gesagt sind nachhaltige Verpackungen solche, die aus nachwachsenden und/oder recycelbaren Rohstoffen bestehen.[7] Darüber hinaus sollte auch der CO2-Fußabdruck der Verpackungen so gering wie möglich gehalten und im Optimalfall kompensiert werden. Erste Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen sind u.a. folgende: Optimiere deine Produktionsprozesse oder suche gezielt nach Lieferanten für deine Verpackungen, die innerhalb Deutschlands und am besten in der Nähe deines Standortes produzieren, um lange Transportwege zu vermeiden. Dasselbe gilt übrigens auch für die für deine Produkte benötigten Materialien und Rohstoffe. Durch recycelbares Material deiner Verpackungen, wie zum Beispiel Karton aus Holz und Gras, kann die Verpackung lange wiederverwendet und die Dauer des Lebenszyklus erhöht werden.

Weiterhin solltest du auch auf eine passgenaue Größe deiner Verpackung achten. Lass keinen unnötigen Freiraum zwischen Inhalt und Verpackung, der vielleicht sogar mit Füllmaterial ausgestattet werden muss. Das spart Ressourcen und somit auch Geld. Die IHK München bietet auf ihrer Website viele weitere konkrete Tipps für eine nachhaltigere Verpackung.

Beispiel: Herkömmliche Chips-Tüten sind ein gutes Beispiel dafür, wie nachhaltige Verpackungen nicht aussehen sollten. Oft werden aus psychologischen Gründen Verpackungen künstlich vergrößert, um den Eindruck eines größeren Inhalts zu vermitteln. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um Konsumententäuschung, sondern auch um die Verschwendung wertvoller Ressourcen, wenn man bedenkt, dass pro Tüte ca. ein Drittel der Verpackung eingespart werden könnte. In Verbindung mit nachhaltigen Veränderungen in anderen Bereichen der Produktpolitik kann natürlich auch über nachhaltigere Materialien der Verpackung, wie zum Beispiel Papier bzw. Pappe, nachgedacht werden.

Herstellung und Versand

Auch die Herstellung und der Versand deiner Produkte können echte Klimakiller sein. Versuche daher, Lieferanten mit kurzen Lieferwegen zu deiner Firma zu finden, um weite Transportwege per Schiff, Flugzeug oder LKW zu vermeiden. Bei der Herstellung selbst kannst du bei stromintensiven Prozessen über den Einsatz von erneuerbaren Energien nachdenken oder bei der Auswahl des herstellenden Unternehmens auf den Faktor Ökostrom achten. Schau dir dazu auch unsere Tipps zum Stromsparen an.

Beispiel: Bei stromintensiven Produktionsstätten ist der CO2-Ausstoß besonders hoch. Eine Umstellung auf Ökostrom stellt sicher, dass diese benötigte Energie aus nachhaltigen Quellen stammt. Wenn Materialien oder auch das komplette Produkt von einer anderen Stelle bezogen werden müssen, sollte auf die Länge der Transportwege geachtet werden. Suche also gezielt nach z. B. Druckereien für deine Produktverpackungen, die sich möglichst nah an deinem Unternehmen / deinem Logistikzentrum etc. befinden, um den CO2-Ausstoß der Transportwege so gering wie möglich zu halten.

Produktnutzen

Auch wenn nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar, kann auch der Nutzen eines Produktes nachhaltig sein. Der Produktnutzen beschreibt dabei einen Vorteil, durch den Konsument*innen ein bestimmtes Bedürfnis befriedigen können. Dabei unterscheidet man zwischen Grundnutzen, Zusatznutzen, Erbauungsnutzen und Geltungsnutzen. Einen sozialen oder ökologischen Nutzen in deine Leistung bzw. dein Angebot zu integrieren, kann dir dabei helfen, dich nachhaltiger aufzustellen, diesen Aspekt gleichzeitig nach außen zu tragen und deine Marke oder dein Unternehmen dadurch zu stärken.

In einem bestehenden Produktprogramm und Sortiment bietet sich zum Beispiel ein nachhaltiger Aspekt als Zusatznutzen an. Dieser kann sich u. a. in konkreten Bestandteilen deines Produktes äußern (Materialien aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft, Fair Trade etc.) oder indem der Kauf dieses Produktes mit einer bestimmten Handlung verknüpft ist, zum Beispiel mit der Pflanzung eines Baums oder mit einer Spende an ein Klimaschutzprojekt.

Falls neue Produkte oder Leistungen in Planung sind, sollten Nachhaltigkeitsaspekte von Anfang an bei der Entwicklung des Produktnutzens berücksichtigt und fest in diesen integriert werden.

Beispiel: Beim Kauf eines Produktes oder bei Inanspruchnahme einer Dienstleistung spendet das Unternehmen an eine Umweltorganisation, die für diesen Kauf einen Baum pflanzt und so die weltweite Aufforstung stärkt. Durch diesen Kauf erlangen Kund*innen also einen sozialen Zusatznutzen, indem sie damit etwas Positives bewirken.

Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus beschreibt den typischen Kreislauf, den ein bestimmtes Produkt deines Unternehmens durchläuft und der mittlerweile von der Herstellung bis zur Entsorgung reicht. Standen vor einiger Zeit noch Kosten und Funktionalität des Produktes im Vordergrund, spielen mittlerweile auch soziale und ökologische Faktoren im Zyklus eine wichtige Rolle. Unternehmen sollten also nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Leistungen achten, sondern auch darauf, dass diese Leistungen einen „möglichst geringen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aufwand bei höchstmöglichem Nutzen“ haben.[8] Diesen Prozess nennt man auch Life Cycle Design.

Konkret kann sich diese nachhaltige Gestaltung des Produktlebenszyklus wie folgt äußern: Fertige dir in deinem Unternehmen zu Beginn Checklisten an, mit denen du deine Produkte und deren Lebenszyklus auf Nachhaltigkeit und Potenzial zur Optimierung überprüfen kannst. Angefangen bei der Herstellung deiner Leistung ist das Vermeiden und Reduzieren der Nutzung von endlichen, schädlichen, wertvollen Rohstoffen ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie. Überprüfe daher, welche Materialien konkret für deine Leistungen verwendet werden und inwiefern sie schädliche Auswirkungen für Mensch und/oder Umwelt verursachen. Unter Abwägung von Kostenaspekten kann an entsprechenden Stellen nach nachhaltigeren Alternativen gesucht werden. Vor allem langlebige, recycelbare und biologisch abbaubare Materialien gelten als besonders nachhaltig. Auch Maschinen und andere Hilfsmittel für die Produktion deiner Produkte sollten auf solche Aspekte überprüft werden. Dadurch kannst du nicht nur die Haltbarkeit deiner Produkte verlängern, sondern sie können nach Abnutzung entweder recycelt und wiederverwendet werden oder biologisch und somit umweltfreundlich abgebaut werden. So können auf Dauer knappe, wertvolle oder auch schädliche Rohstoffe der Erde eingespart werden.

Beispiel: Um selbst vertriebene Produkte so lange im Kreislauf zu halten wie möglich, können Unternehmen ihren Kund*innen die Möglichkeit geben, gebrauchte Produkte wie alte Elektrogeräte oder getragene Mode kostenlos im Geschäft abzugeben oder einzusenden. Aus diesen Teilen können dann wiederum neue entstehen oder Einzelteile möglichst effizient wiederverwertet werden.

Produktinnovation

Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit werden seit einigen Jahren viele Märkte durch unterschiedlichste Startups und kleine Unternehmen mit innovativen Produkten und umweltfreundlichen Lösungen bereichert. Im Mittelpunkt dieser Unternehmungen wird meist der Profit unter der Bedingung eines nachhaltigen Wirtschaftens ohne Belastung von Mensch und Umwelt gesehen. Bei Unternehmen, die lange am Markt bestehen, kann es allerdings auch schwierig sein, zusätzlich zu Veränderungen am bestehenden Produktprogramm auch noch Raum für Produktinnovationen zu schaffen. Wir möchten dir deshalb im Folgenden einige Anreize und Hinweise geben, um euch im Unternehmen die Ideenfindung für eine nachhaltige Produktinnovation mit Mehrwert zu erleichtern oder euch dazu motivieren, sich vermehrt mit diesem Thema zu beschäftigen.

Beispiel: Technologien im Bereich der Nachhaltigkeit bieten ein großes Potenzial für Produktinnovationen, die umweltfreundlich sind. Die Erfindung des Elektroautos kann ebenso als Innovation bezeichnet werden wie derzeitige Forschungen und Techniken mit Wasserstoff, Solarzellen und Biomasseheizkraftwerke. In Kombination mit anderen Produkten können neue Ideen entstehen: Solarpowerbanks, Solardachziegel, Rucksäcke aus Meeresplastik oder auch ein Sodastream, der einzelne PET-Flaschen überflüssig macht.


Quellen zur Ideenfindung
interne Quellen externe Quellen
Kundendienst­berichte Kunden-, Experten-, Händler­befragungen
Kundenanfragen und -beschwerden Konkurrenz­beobachtung
Vorschläge aus F&E und anderen Abteilungen Internetrecherchen
Befragung der Außendienst-MA Erfinder & Lizenzgeber
Betriebliches Vorschlagswesen Forschungsinstitute und Technologie­berater
Marketing- und Innovations­berater

Weitere Möglichkeiten zur Ideenfindung für neue, nachhaltige Produkte sind zum Beispiel Brainstorming, Reizwortanalysen, Checklisten oder auch Design Thinking.

Servicepolitik

Als weiterer Unterpunkt der Produktpolitik sollte auch die Service-Politik eines Unternehmens berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang können nicht nur die Kundenzufriedenheit gesteigert und somit die Kundenbindung gestärkt werden, sondern du kannst als Unternehmen auch eine möglichst lange Lebensdauer bzw. Haltbarkeit deiner Leistungen gewährleisten. So trägst du u. a. aktiv dazu bei, dass möglichst viele Produkte wiederverwendet werden können. Dadurch sparst du Ressourcen und kannst diese zum Beispiel durchs Recycling wieder in den Kreislauf zurückführen.

Allgemein sind Serviceleistungen immaterielle Leistungen, die die Primärleistung unterstützen und somit den Kundennutzen steigern. Sie können sich sowohl auf den/die Endverbraucher*in als auch auf den Geschäftskundenbereich beziehen.

In der folgenden Tabelle findest du einige Punkte – sowohl kaufmännischer als auch technischer Art –, anhand derer du deinen Service nachhaltiger gestalten kannst. Das reicht von der Beratung vor dem eigentlichen Kauf oder der Nutzung über die Unterstützung deiner Kund*innen während der Nutzung bis hin zu Informationen dazu, wie man mit den Produkten nach der Nutzung umgeht.

Kaufmännische Services
Vor Nutzung Während Nutzung Nach Nutzung
Kaufmännische Beratung, Testlieferung, Kosten­voranschlag Schulung, Anleitung, Ersatzteil­versorgung Infos über Neu­entwicklungen und Entsorgungs­möglichkeiten


Technische Services
Vor Nutzung Während Nutzung Nach Nutzung
Technische Beratung, Altgerät­mitnahme zum Recycling Technische Einweisung, Installation, Reparatur, Wartung Erweiterung, Abbau, Entsorgung, fachgerechte Demontage, Re- oder Upcycling

Beispiel: Kaufmännischer Service kann dabei helfen, dass Produkte nach konkretem Bedarf gekauft und so behandelt werden, dass sie möglichst lange in Gebrauch bleiben. In technischer Hinsicht können eine Einweisung und eine sachgerechte Installation, Reparatur sowie Wartung ebenso dafür sorgen, dass das Produkt lange und reibungslos genutzt werden kann. Um zum Beispiel eine unsachgemäße Entsorgung von Elektroaltgeräten zu vermeiden, kann eine Abholung und Entsorgung durch das Unternehmen angeboten werden.


Die oben aufgeführten Hinweise und Empfehlungen beziehen sich sowohl auf das bestehende Leistungsprogramm als auch neue Leistungen oder die Überarbeitung von bestehenden Produkten.

So kannst du bereits viele Hinweise in dein bestehendes Programm integrieren, sie aber auch von Anfang an bei anstehenden, geplanten Produktneuheiten berücksichtigen und sie aktiv in den Gestaltungsprozess einbinden.


Nachhaltigkeit in der Kommunikationspolitik

Im Sinne eines gelungenen und stimmigen Marketing-Mixes sollte sich der Aspekt der Nachhaltigkeit auch in der Kommunikationspolitik deines Unternehmens widerspiegeln. Immerhin rückt die Bedeutung von Nachhaltigkeit gerade im Bereich von Unternehmen zunehmend in den Vordergrund und Konsumenten erwarten heutzutage ein Mindestmaß an Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen sollten, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Eine authentische und vor allem transparente Kommunikation kann dazu beitragen, relevanten Zielgruppen bzw. der Öffentlichkeit glaubhaft die nachhaltigen Bemühungen des eigenen Unternehmens darzustellen. In diesem Zusammenhang bildet „glaubhaft“ das entscheidende Stichwort, ebenso wie „transparent“.

Denn Konsumenten werden nicht nur fordernder in Bezug auf Nachhaltigkeitsmaßnahmen, sondern auch kritisch. Grund dafür ist das sogenannte Greenwashing, das zum Leid tatsächlich nachhaltig agierender Unternehmen immer wieder vor allem in großen Konzernen zum Einsatz kommt. Dabei wird Endverbrauchern auf beschönigende Art und Weise kommuniziert, dass das Unternehmen bestimmte Maßnahmen ergreift, um Klimaschutz zu betreiben. Im Endeffekt sind diese Aussagen oft nichts weiter als leere Worthülsen, mit denen Tatsachen besser dargestellt werden als sie eigentlich sind. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, die tatsächlich und realistisch nachhaltige Maßnahmen umsetzen, dies auch glaubhaft und transparent zu kommunizieren.

Für eine erfolgreiche nachhaltige Kommunikation im Unternehmen lassen sich an dieser Stelle zwei unterschiedliche Fragestellungen herausarbeiten, die jedes Unternehmen für sich beantworten sollte, das beabsichtigt, seine Nachhaltigkeit nach außen zu tragen:

1) Wie kommuniziere ich, dass ich ein nachhaltiges Unternehmen bin?

2) Wie kommuniziere ich nachhaltig?

Die erste Frage beschäftigt sich damit, welche Maßnahmen man als Unternehmen ergreifen kann, um relevanten Stakeholder-Gruppen zu zeigen, dass man nachhaltig ist. Hier geht es eher um Plattformen, Botschaften und wie du diese nach außen tragen kannst.

Die zweite Frage hingegen zielt darauf ab, wie man eben diese und auch die Kommunikation abseits von Imageaspekten an sich nachhaltig gestalten kann, um tatsächlich einen authentischen und realistischen Eindruck in der Öffentlichkeit zu hinterlassen. An dieser Stelle fokussieren wir uns eher darauf, wie der Prozess bzw. die Kommunikation an sich möglichst nachhaltig gestaltet werden kann.

Wie kommuniziere ich, dass ich ein nachhaltiges Unternehmen bin?

Dein Unternehmen ergreift Maßnahmen, um im laufenden Betrieb CO2-Emissionen einzusparen und kompensiert regelmäßig unvermeidbare Emissionen durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten? Perfekt! Aber woher sollen deine relevanten Zielgruppen wie Kunden, Wettbewerber oder Lieferanten wissen, dass dein Betrieb nachhaltig gestaltet ist?

Hier lautet das Stichwort: Kommunizieren. Trage deine Botschaften, Erfolge und Entwicklungen nach außen und lass deine Zielgruppen daran teilhaben. Vergiss dabei bitte nicht – unabhängig von den Plattformen, die du nutzt – glaubhaft zu kommunizieren. Dazu gehört zum Beispiel das regelmäßige Nennen von Zahlen und Fakten, die die nachhaltige Arbeit in deinem Unternehmen betreffen. Das können bestimmte KPIs wie C02-Emissionen, der Energieverbrauch oder der Sprit der Dienstwagen sein. Wichtig ist einfach, dass deine Zielgruppen die Möglichkeit haben, sich ein genaues Bild von deinen Fortschritten etc. zu machen und zu vergleichen. Zur Kommunikation hast du u. a. folgende Möglichkeiten:

Der Nachhaltigkeitsbericht

Für manche Unternehmen schon verpflichtend, veröffentlichen auch viele andere Unternehmen freiwillig einen Nachhaltigkeitsbericht, der die ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen des Unternehmens innerhalb eines Jahres offenlegt. Vor allem für den B2B-Bereich, also deine Geschäftskunden, aber auch für Lieferanten, Partner, die Presse oder die allgemeine Öffentlichkeit bietet der Nachhaltigkeitsbericht eine seriöse Quelle, über die sich Interessierte über dich und dein Unternehmen informieren können. Gleichzeitig kannst du in einem ganz offiziellen Rahmen zeigen, welche Erfolge dein Unternehmen bereits erzielen konnte und welche Maßnahmen in Planung sind. Den Bericht kannst du entweder drucken lassen und an einen ausgewählten Verteiler senden oder auf deiner Website als PDF zum Download zur Verfügung stellen.

Online Marketing

Website

Auf deiner Website kannst du eine eigene Unterseite rund ums Thema Nachhaltigkeit in deinem Unternehmen integrieren. Vergiss nicht, auch einen entsprechenden Hinweis auf der Startseite zu platzieren, um Nutzer deiner Website gleich auf das Thema aufmerksam zu machen. So verankert sich dein nachhaltiges Image schnell in den Köpfen deiner Zielgruppe. Wenn du genug Input und Informationen zur Verfügung hast, bietet sich auch ein eigener Blog auf der Website an. Hier kannst du regelmäßig über deine nächsten Schritte, Erfolge und auch Herausforderungen berichten, die ein nachhaltiger Betrieb mit sich bringt.

Social Media

Social Media hat sich zu einem wichtigen Medium zur Kommunikation zwischen Unternehmen und Endverbrauchern bzw. Kunden entwickelt. Nutze die kostenlose Möglichkeit und deine Reichweite und halte deine Abonnenten dort auf dem Laufenden.

Nutze die Vorteile der verschiedenen Plattformen für dein Unternehmen und tritt am besten direkt in den Dialog mit deinen Followern. Plattformen wie Instagram, Facebook und LinkedIn eignen sich hervorragend dafür, deinen relevanten Zielgruppen anhand persönlicher Einsichten zu zeigen, dass bei dir im Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt. Mit gezielten Fragen und aktivierenden Elementen kannst du deine Abonnenten gleichzeitig zur Interaktion auffordern und so Meinungen, Kritik und Wünsche an deinem Unternehmen einholen und dem Thema Nachhaltigkeit bewusst Raum in deinen Beiträgen und/oder den Kommentaren geben.

Dabei kannst du auch je nach Plattform verschiedene Schwerpunkte legen: LinkedIn eignet sich bestens zur Akquise neuer Kunden, Geschäftspartner, Investoren und auch Mitarbeitenden. Zeige dich hier von deiner seriösen Business-Seite und gib vor allem faktenbasierte Einblicke in die Nachhaltigkeitsmaßnahmen deines Betriebes. Auf Instagram erreichst du eine etwas jüngere Zielgruppe, die eher auf der Suche nach Unterhaltung als nach Business-Kontakten ist. Hier eignen sich interaktive Elemente, Humor und ein persönlicher Umgang besser für deine Zielgruppe.

Sponsoring

Beim Sponsoring unterstützt ein Unternehmen zum Beispiel einen Verein oder eine Organisation finanziell, materiell oder in Form von Dienstleistungen. Im Gegenzug dazu erhält das Unternehmen eine Leistung, die meist auf die Kommunikationsziele des Unternehmens abzielt – so können Vereine oder Organisationen zum Beispiel Werbeflächen zur Verfügung stellen. Diese Struktur kannst du gewinnbringend für dein Unternehmen einsetzen: Wenn du zum Beispiel ein Unternehmen mit starkem lokalen oder regionalen Fokus bist, kannst du beispielsweise eine ansässige Organisation zum Klimaschutz unterstützen, etwa durch einen Geldbetrag, durch Sachspenden oder durch direkte Unterstützung deiner Mitarbeitenden. Im Gegenzug erhältst du zum Beispiel Platz für deine Anzeige im Magazin der Organisation oder du kannst kostenlos Flyer (oder auch deinen Nachhaltigkeitsbericht) in den Räumlichkeiten auslegen. In etwas anderer Form könnte die Gegenleistung natürlich auch aus einer fachlichen Beratung zur Optimierung des Betriebes hinsichtlich nachhaltiger Aspekte bestehen, die du von dem Experten der Organisation erhältst. In jedem Fall profitieren beide Seiten von der gegenseitigen Unterstützung – in welcher Art auch immer. Behalte dabei allerdings immer im Hinterkopf: Sponsoring funktioniert meist nur, wenn ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dem Sponsor und der gesponserten Institution gegeben ist. Wähle deshalb diejenige Institution sorgfältig aus, die in inhaltlichem Zusammenhang zu deinen Nachhaltigkeitsmaßnahmen steht.

Event

Seit vielen Jahren veranstaltet die Rügenwalder Mühle als mittlerweile unkonventioneller Fleischhersteller regelmäßig einen Talk bzw. eine Diskussionsrunde zu einem bestimmten Thema aus der Nahrungsmittelbranche und der Ernährung mit ausgewählten Personen. Als Live-Event können Zuschauer vor Ort dabei sein oder das Ganze digital per Livestream mitverfolgen. Bemühungen wie diese können zeigen, wie wichtig dem Unternehmen bestimmte Themen sind – zum Beispiel das nachhaltige Wirtschaften. Denn anders als beim Nachhaltigkeitsbericht oder starren Zahlen auf der Website können Events mit Interaktion, Spannung und persönlicher Begegnung verbunden sein und das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen auf einem ganz anderen Level erfahrbar und vor allem greifbar machen. Das kann zum Beispiel ein Tag der offenen Tür sein, bei dem Einblicke in die Produktion und den Arbeitsalltag gegeben werden. Oder Gewinner eines Gewinnspiels erhalten einen Gutschein für eine Probefahrt mit einem der E-Autos der Dienstflotte. So können sich Interessierte live und in Farbe direkt vor Ort einen Überblick über die tatsächliche Situation im Betrieb verschaffen. Ein weiterer Pluspunkt: Statt leerer Worthülsen setzt du Worte in Taten um und kannst tatsächlich und auf spannende Weise zeigen, wie nachhaltig du tatsächlich bist.

Klassische Werbung

Je nach vorhandenem Budget für deine Kommunikationsmaßnahmen bieten sich auch Instrumente der klassischen Werbung an, zum Beispiel ein Imagespot im TV, ein Radiospot im lokalen Sender oder eine Out-of-Home-Kampagne mit Plakaten und Postern an öffentlichen Stellen wie Bushaltestellen und Hauswänden. Da diese Maßnahmen im Vergleich zu den oben genannten Maßnahmen in der Regel ein relativ hohes Budget erfordern, sollte in deinem Unternehmen abgewogen werden, ob es Sinn macht, einen hohen Geldbetrag in diese Maßnahmen zu investieren, die im Endeffekt auch höhere Streuverlust mit sich bringen. Eventuell würde sich eine gut angelegte Online Marketing Kampagne mit Schwerpunkt auf Suchmaschinen und Social Media Plattformen eher rentieren, da du deine Zielgruppen genauer bestimmen, deine Werbemittel anpassen und die Kampagne stetig optimieren kannst. Mit Tracking kannst du außerdem den Erfolg der Kampagne messbar machen.

Wie kommuniziere ich nachhaltig?

Um ein einheitliches Bild deines Unternehmens abzugeben, sollten deine Worte und Taten übereinstimmen. Das heißt: Zu kommunizieren, dass man als Unternehmen nachhaltige Bemühungen anstellt, dann aber jede Woche störende Werbebriefe und Unmengen an Papierkram per Post versendet, stößt meist auf Unverständnis, löst Verwirrung aus und provoziert vielleicht sogar Wut beim Endverbraucher.

Wenn es darum geht, möglichst nachhaltig zu kommunizieren, lautet die Devise deshalb wie so oft: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Denn eins ist klar: Je mehr Aufwand, Zeit und Geld du in deine Kommunikation steckst, desto mehr Ressourcen verbrauchst du in der Regel auch. Außerdem: Das gilt nicht nur für physische Güter wie klassische Printmedien (z. B. Flyer oder Kataloge), sondern auch für nicht auf den ersten Blick erkennbare Dinge.

Ein Beispiel: Allein durch das Surfen im Internet verursachen wir in Deutschland jährlich etwa 24 Millionen Tonnen CO2.[9] Denn um die immer weiter steigende Anzahl an Internetnutzern und Suchanfragen zu bewältigen, benötigen die riesigen Rechenzentren weltweit Unmengen an Energie. Auch ein prall gefülltes Mail-Postfach muss auf irgendeinem Server gespeichert sein, der ebenfalls Strom verbraucht. Natürlich können und sollen wir deshalb nicht aufs Googeln und auf Mails verzichten, jedoch sollte klar sein: Je intensiver wir diese Funktionen nutzen, desto höher ist der CO2-Fußabdruck.

Beispiel: Statt also mehrmals pro Woche einen Newsletter an deine Abonnenten rauszuschicken, sammle lieber die wichtigsten Meldungen, Tipps und Infos und versende sie gesammelt in einem Newsletter einmal pro Woche oder vielleicht auch nur einmal im Monat. Das ist übrigens auch ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf die Verteiler-Liste des Newsletters zu werfen und Karteileichen und Rückläufer auszusortieren. Zu viele Newsletter werden im Übrigen auch sehr schnell als störend von den Adressaten empfunden und ehe du dich versiehst, erhältst du Abmeldungen vom Newsletter.

Nachhaltige Printprodukte

Gerade Werbemittel aus Papier wie Flyer, Broschüren und ganze Kataloge werden in der Öffentlichkeit immer kritischer gesehen. Unser Konsum an Papier ist hoch und steigt weiter an. Dem gegenüber stehen aber immer knapper werdende Rohstoffe – allen voran Holz, das nicht so schnell nachwachsen kann, wie es verbraucht wird. Alternativen zu Frischfaser zu finden und zu nutzen, ist für Unternehmen deshalb nicht nur in der Zukunft, sondern heute schon enorm wichtig. Denn komplett auf Printmedien zu verzichten, wird für viele Unternehmen nicht funktionieren und findet bei einem Großteil der Bevölkerung auch keine Zustimmung.

Die momentan einfachste und effizienteste Lösung ist deshalb die Nutzung von Recyclingpapier für deine Printprodukte. Dieses besteht aus Altpapier, das dank des guten Abfallsystems in Deutschland gesammelt und neu aufbereitet wird. Das spart nicht nur Holz als Ressource, sondern auch Wasser, Energie und CO2-Emissionen, da Holz nicht extra in weit entfernten Ländern abgeholzt, transportiert und von Neuem verarbeitet werden muss.

Auch die genutzte Farbe zum Drucken entscheidet darüber, ob dein Printprodukt wirklich nachhaltig ist oder nicht. Die meisten herkömmlichen Farben für den Druck enthalten nämlich schädliche Chemikalien, nicht abbaubare Bindemittel und Mineralöle. Auch die Deinkbarkeit, also die Farbentfernbarkeit vom Printprodukt ist besonders im Hinblick auf die Wiederverwertung von Papier ein wichtiger Aspekt, der bei der Wahl der Druckfarbe berücksichtigt werden sollte. Eine Alternative sind hier Farben auf Pflanzenölbasis. Sie sind nicht nur nachwachsend, sondern leicht abbaubar und wasserlöslich. Darüber hinaus können diese Farben leicht und ohne Rückstände entfernen werden.

Bei der Wahl des passenden Papiers und der Farbe kannst du dich am besten an Experten wenden, die dich unabhängig und seriös beraten. Eine Orientierung bieten dir auch Siegel bzw. Zertifizierungen wie der Blaue Engel, EMAS, DIN ISO 14001:25, DIN ISO 5001:2018 sowie das Das EU ECOLABEL 053 für Printprodukte.

Nachhaltige Werbemittel

Nachhaltigkeit und ein hoher Verbrauch an Ressourcen stehen oft im Gegensatz zueinander. Deshalb solltest du vor allem mit Maßnahmen sparsam umgehen, die viele materielle Ressourcen erfordern. Wenn du trotzdem nicht auf Werbemittel verzichten möchtest - zum Beispiel für deine Kunden, Mitarbeiter oder potenziellen Geschäftspartner - sind nachhaltige Werbemittel eine tolle Alternative und der Beweis dafür, dass man auch umweltbewusst schenken kann. Die Möglichkeiten reichen von nachhaltig produzierten Tassen, Kugelschreibern und Fruchtgummis über Samentütchen zum Einpflanzen bis hin zu Baumspenden, für die je nach Betrag ein oder gleich mehrere Bäume gepflanzt werden. Lies dazu gerne unseren Artikel zu nachhaltigen Werbemitteln.

Übrigens: Falls du noch mehr Details zu der Art und Weise deiner Nachhaltigkeitskommunikation benötigst, schau doch mal in diesen Artikel von uns rein.


Nachhaltige Preispolitik

Im Rahmen der Preispolitik stehen Unternehmen vor der Aufgabe, ihre angebotenen Leistungen in Form von Produkten oder Dienstleistungen mit angemessenen Preisen auszuzeichnen. Dabei müssen stets alle Faktoren berücksichtigt werden, die ausschlaggebend für den Endpreis sind. Dazu zählen Herstellungskosten – zum Beispiel aufgrund von Rohstoffen und Personal –, Kundenwünsche, Produkteigenschaften und die Preise der Wettbewerber. Welche konkreten Preisstrategien verfolgt werden, hängt ebenfalls von Kunden, Wettbewerb und dem allgemeinen Markt ab, auf dem sich das Unternehmen befindet.[10]

Studien belegen, dass immer mehr Endverbraucher mittlerweile bereit sind, für nachhaltige Produkte entsprechend mehr Geld auszugeben, wenn sie wissen, dass das Produkt z. B. unter fairen Arbeitsbedingungen und ohne Kinder- oder Zwangsarbeit hergestellt wurde oder aus biologischem Anbau stammt und keine bedenklichen Chemikalien enthält. Rund 18 % Mehrkosten würden die bereitwilligen Verbraucher für nachhaltige Produkte in Kauf nehmen.[11]

Unternehmen sollten sich deshalb – nicht nur, aber auch – an der Preisbereitschaft ihrer Kundschaft orientieren und ihre Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Betrieb entsprechend anpassen.

Preise nachhaltig gestalten

Unter einer nachhaltigen Preisgestaltung versteht man eben jene, die nicht nur die Gewinnmaximierung des eigenen Unternehmens anstrebt, sondern ein nachhaltiges Wirtschaften in all seinen Formen berücksichtigt. Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen in den finalen Preis ihrer Leistungen verschiedene Faktoren einkalkulieren müssen; ebenso sollte diese Kalkulation möglichst langfristig und vorausschauend angelegt sein, um eine bessere Planungssicherheit zu gewährleisten. Produktionskosten für nachhaltige Prozesse, Rohstoffe und benötigte Materialien wie Maschinen gehören ebenso dazu wie Energiekosten, Personalkosten, die fairen Arbeitsbedingungen entsprechen, sowie Puffer für Unvorhersehbares, um eine dauerhafte und stabile, nachhaltige Wertschöpfungskette sicherzustellen.

Dabei sollte man auch folgende Tatsache nicht außer Acht lassen: Nachhaltige Produkte müssen nicht zwangsläufig teurer sein als konventionelle. Oft können durch nachhaltige und ressourcenschonende Herstellungsprozesse nämlich effektiv große Mengen an Wasser, Energie und Rohstoffen eingespart werden, was wiederum finanzielle Einsparungen für Unternehmen mit sich bringt.

Beispiel: Chipstüten sind das Paradebeispiel, wenn es um ineffiziente Verpackungen geht. Bei diesen künstlich vergrößerten Verpackungen handelt es sich um einen psychologischen Trick, indem suggeriert wird, dass eine so große Tüte vermeintlich mehr Inhalt enthält, als es tatsächlich der Fall ist. Unternehmen, die sich bewusst für einen nachhaltigen Vertrieb entscheiden möchten, werden feststellen, dass diese Art von Verpackung nicht nur Verbraucher täuscht, sondern auch zusätzliche Kosten verursacht, die sich durch eine dem Inhalt angepasste Verpackung deutlich senken lassen. Eine Studie hat ergeben, dass in Deutschland jährlich rund 1,4 Millionen Mülltonnen an Verpackungen eingespart werden könnten, wenn Hersteller eben solcher Produkte die Verpackungen der Menge des Inhalts anpassen würden.[12] Diese 1,4 Millionen Mülltonnen Verpackungsmüll einzusparen, schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget von produzierenden Gewerben.

Beispiel: Viele Materialien aus der Modeindustrie werden unter Bedingungen hergestellt, die für Mensch und Umwelt schädlichen sind. Allein für ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle werden ca. 2.000 Liter Wasser benötigt, hauptsächlich für den Anbau von Baumwolle unter Einsatz von gefährlichen Pestiziden und Chemikalien.[13] Der Anbau von Bio-Baumwolle hingegen braucht 91 % weniger Frischwasser, da zum Beispiel Regenwasser zum Anbau genutzt wird.[14] Ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle benötigt im Vergleich also statt 2.000 Litern Wasser nur ca. 180 Liter. Vor allem angesichts des globalen Wassermangels kommt einem ressourcenschonenden Produktionsprozess in diesem Fall nicht nur eine kostenrelevante, sondern auch eine nachhaltige Bedeutung zu.

Diese Beispiele zeigen Potenziale auf, in welchen Bereichen sich Kosten einsparen lassen können, sodass Verbrauchern keine exorbitanten Preise für nachhaltige Leistungen abverlangt werden müssen. Maßnahmen wie Einsparungen an Verpackungsmaterialien, Nutzung nachhaltiger Rohstoffe aus dem Recycling, Verzicht auf Informationen in Papierform und auch der Umstieg auf selbst erzeugten Strom durch eine Photovoltaik-Anlage können zwar einmalig höhere Kosten verursachen, die sich aber langfristig amortisieren und sowohl dem Budget als auch der Umwelt zugute kommen.

Preise nachhaltig auszeichnen

Unter einer nachhaltigen Preispolitik versteht man nicht nur eine nachhaltige Gestaltung der Preise, sondern auch das Demonstrieren einer offenen und transparenten Preispolitik nach außen. Viele Verbraucher sind bereit, höhere Beträge für nachhaltige Produkte zu zahlen – unter der Voraussetzung, dass auch nachvollziehbar ist, aus welchen Faktoren und Kostenstellen sich dieser Gesamtpreis zusammensetzt.

Dieser Forderung sollte eine nachhaltige Preispolitik möglichst gut nachkommen und Preise transparent aufschlüsseln. Das Fair-Fashion-Unternehmen Salzwasser beispielsweise geht mit gutem Beispiel voran und schlüsselt den Gesamtpreis verschiedener Produkte nach Kategorien und Kostenträgern auf.

In einem Oberteil zum finalen Verkaufspreis von 80 Euro stecken zum Beispiel 23 % Produktionskosten, die sich wiederum aus Löhnen der Herstellenden, Materialien, Transport und anderen Faktoren zusammensetzen. Weitere 20 % des Verkaufspreises ergeben sich aus dem Lohn der Mitarbeitenden; dazu kommen Steuern, Logistik, Marketing, Zahlungen und ein prozentualer Anteil an Spenden an Umweltschutzprojekte.

So kann jede Person genau verfolgen, in welche Prozesse und Bereiche ihr ausgegebener Betrag investiert wird und man kann besser nachvollziehen, welche Kosten überhaupt hinter so einem Produkt stecken. Dies wiederum zeigt deutlich, dass zum Beispiel T-Shirts für 4,99 Euro niemals unter nachhaltigen und fairen Bedingungen produziert werden können, ohne dass innerhalb dieser Produktionskette jemand anderes dafür den Preis zahlen muss – im übertragenden Sinn. Verbraucher bekommen dadurch ein Verständnis für den tatsächlichen Wert eines Produktes und können für solche, wenn auch höheren Preise, sensibilisiert werden.

Nachhaltige Preise praktisch umsetzen

Die Umstellung deiner Produktion bzw. deiner Wertschöpfungskette nach nachhaltigen Gesichtspunkten sowie eine angepasste Preisgestaltung sollten über einen ausreichend langen Zeitraum geplant, organisiert und umgesetzt werden. Eine Preisanpassung über zu viele Prozentpunkte von heute auf morgen sollte vermieden werden, sondern Schritt für Schritt an Kunden und Lieferanten kommuniziert werden. Diese in die Preisgestaltung mit einzubeziehen, kann deinem Unternehmen äußerst wertvolle Erkenntnisse liefern. Dazu hast du u. a. folgende Möglichkeiten:

Befrage deine Kunden in Form eines Newsletters, eines Fragebogens oder direkt vor, während bzw. nach ihrem Kauf, welchen Preis sie für ein nachhaltigeres Produkt bereit wären zu zahlen. So bekommst du schnell ein Gespür dafür, auf welchem Stand sich deine Kunden gerade befinden und wie wichtig ihnen selbst das Thema Nachhaltigkeit ist. Natürlich sollten deine Entscheidungen in der Preispolitik nicht allein von der Meinung deiner Kunden getroffen werden. Aber sie können maßgeblich mitbestimmen, in wie schnellen Schritten du deinen Betrieb zunehmend nachhaltiger gestalten kannst. Vielleicht sind viele deiner Kunden schon bereit, mehr Geld für nachhaltige Alternativen zu zahlen und wollen dich aktiv bei deinem nachhaltigen Wirtschaften unterstützen. Vielleicht ist dieses Thema aber auch bei genau deiner Zielgruppe bzw. deiner Leistung noch nicht angekommen und du musst deine Kunden langsam an das Thema heranführen, indem du Schritt für Schritt verschiedene Elemente nachhaltiger gestaltest. Das kann zum Beispiel die Einführung einer nachhaltigen Variante eines bestehenden Produktes sein. In einer Art A/B-Test kannst du dann deinen Kunden beide Varianten zur Auswahl anbieten und festhalten, wie deren Reaktionen auf die Alternative sind. Dabei kannst du als weitere Variable gleich verschiedene Preise im direkten Vergleich einsetzen und so analysieren, welche Preisbereitschaft bei den Kunden für ein nachhaltigeres Produkt vorherrscht.

In jedem Fall gilt: Eine nachhaltige Preispolitik besteht nicht nur daraus, faire Preise unter Berücksichtigung von Mensch und Umwelt zu kalkulieren. Ebenso wichtig sind die richtige Kommunikation und Transparenz deiner Preispolitik, um (potenziellen) Kunden offenzulegen, wie deine Preise zustande kommen und um sie somit für die Preise nachhaltiger Produkte zu sensibilisieren. Denn im Endeffekt trägst du als Unternehmen so auch als aufklärende Institution dazu bei, dem Thema Nachhaltigkeit den Raum in der Gesellschaft und bei den Verbrauchern zu geben, den es braucht und verdient.


Fazit

Du siehst: Es muss gar nicht schwer sein, grünes Marketing zu betreiben und dein Unternehmen nicht nur an Absatz- oder Umsatzzielen zu orientieren, sondern auch an ökologischen Aspekten. Halte dir dabei jedoch immer vor Augen, dass ein Betrieb nicht von heute auf morgen und ohne strategische Vorüberlegungen grünes Marketing implementieren kann. Du solltest deshalb in deinem Nachhaltigkeitsteam in enger Zusammenarbeit mit Führungskräften und der Geschäftsleitung eine nachhaltige und langfristige Strategie erarbeiten, mit der Abläufe und der tägliche Betrieb Schritt für Schritt umweltfreundlicher werden.

Quellen

  1. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/marketing-39435, letzter Zugriff am 17.08.2021.
  2. https://www.careelite.de/gruenes-marketing/, letzter Zugriff am 05.07.2021.
  3. Scharf et al. (2015): Marketing. Einführung in Theorie und Praxis, Schäffer-Poeschel, 6. Auflage, S. 245
  4. https://www.careelite.de/gruenes-marketing/, letzter Zugriff am 18.07.2021.
  5. Scharf et al. (2015): Marketing. Einführung in Theorie und Praxis, Schäffer-Poeschel, 6. Auflage, S. 253
  6. https://www.procarton.com/wp-content/uploads/2018/10/STM101-Pro-Carton-Brochure-DE.pdf, letzter Zugriff am 19.07.2021.
  7. https://www.die-verpackungs-druckerei.de/blog/nachhaltige-verpackungen-so-gehts, letzter Zugriff am 11.07.2021.
  8. https://www.ethiks.de/2017/05/05/produktlebenszyklus-nachhaltig-gestalten/, letzter Zugriff am 28.07.2021.
  9. https://www.br.de/radio/bayern1/email-co2-100.html, letzter Zugriff am 26.10.2021.
  10. https://www.bwl-lexikon.de/wiki/preispolitik/, letzter Zugriff am 25.11.2021.
  11. https://www.n-tv.de/ticker/Ein-Drittel-wuerde-fuer-nachhaltige-Produkte-mehr-bezahlen-article22899914.html, letzter Zugriff am 26.11.2021.
  12. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/mogelpackungen-tricks-mit-luft-und-doppeltem-boden-11707, letzter Zugriff am 25.11.2021.
  13. https://www.welt.de/welt_print/wissen/article6839727/2000-Liter-Wasser-fuer-ein-T-Shirt.html, letzter Zugriff am 24.11.2021.
  14. https://utopia.de/ratgeber/bio-baumwolle-wissenswertes/, letzter Zugriff am 24.11.2021.